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  News & Evergreens  
  Hier haben wir für Sie einige wissenswerte aktuelle Informationen oder auch zeitlos interessante Ansichten oder Beschreibungen über St. Pauli ausgesucht.  
 
 
  "Was man wissen muß
  St. Pauli hat große Zeiten und schlechte Zeiten erlebt. Nach dem Kriege, als sich mit dem steigenden Lebensstandard neue Chancen für das Vergnügungsviertel ergaben, gelang es Geschäftemachern, Abenteurern und Gangstern, häufig durch Strohmänner, viele Lokale in die Hand zu bekommen. Ende der Fünfziger Jahre war St. Pauli auf dem besten Wege, ein Synonym für Nepp und Gangsterunwesen zu werden. Diese Gefahr konnte jedoch noch rechtzeitig durch scharfes und konsequentes Eingreifen des Amtsrates Kurt Falck vom Wirtschafts- und Ordnungsamt des Bezirks Hamburg-Mitte gebannt werden. Durch Ausschöpfung aller gewerberechtlichen Möglichkeiten, z. B. Lokalschließungen, Konzessionsentziehung, Beschäftigungsverbote und Androhung dieser Maßnahmen, hat Falck auf St. Pauli Ordnung geschaffen. Seitdem hat das Vergnügungsviertel eine erfreulichen Aufschwung genommen. Hierzu haben auch eine Reihe bemerkenswerter Neueröffnungen beigetragen.
Was man von St. Pauli erwarten darf
St. Pauli ist nicht Schwabing. Es liegt nicht im Universitätsviertel, sondern direkt am Hafen, in den monatlich 1800 Schiffe aus Europa und Übersee einlaufen. St. Pauli hat sich aus Seemannskneipen, Spielbuden und Schaustellungen (die Hagenbecks haben hier mit Seehunden angefangen) mit dem Aufstiegs Hamburgs zum Welthafen zum großen, international bekannten Vergnügunsviertel entwickelt. Seinen Ursprung jedoch als "Ankerplatz der Freude" für die rauhen Männer der "Christlichen Seefahrt" kann und will St. Pauli auch heute nicht verleugnen. Das gibt diesem Viertel sein eigentümliches, unverwechselbares "cachet", obwohl die "sailors" bei weitem nicht mehr das stärkste Kontingent der Besucher stellen.
Wer hierfür ein Gespür hat, wem diese Atmosphäre liegt, der wird sich auf St. Pauli heute wieder glänzend amüsieren. Ganz billig ist es nicht, das stimmt. Aber, es stimmt auch, daß Sie in den wenigen westlichen Metropolen, die – wenn überhaupt – Vergleichbares bieten, wesentlich mehr Geld ausgeben müssen.
Das Faszinierende an St. Pauli ist die breite Skala seines Angebots und die dadurch bedingte Vielfältigkeit seines Publikums: vom Gammler bis zum Großindustriellen, vom Kellerkind bis zum Universitätsprofessor. Auf der buntstrahlenden Reeperbahn, der taghellen Großen Freiheit und in den schummrigen Straßen, Gassen und Plätzen rund herum, da gibt es: Seemanns- und viele anderen Kneipen und Bars, Nightclubs, Shows, Tanzpaläste, Twistschuppen, Schnapskojen, Snacksbars, Jazzclubs, Spielhallen, Spielcasinos und Schießbuden. Es gibt auch ein Panoptikum, eine Bowlingbahn, zwei Theater, mehrere Kinos, zahlreiche Hotels, in- und ausländische Restaurants und vieles andere.
Für jeden Geschmack gibt's etwas hier, vom "Nightclub" bis zur Spelunke, vom harmlos-fröhlichen Stimmungslokal bis zur gewagtesten Show..."

(Hamburg von 7 bis 77, Hamburg 1966, S. 245ff.)

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  "In St. Liederlich
  Zur Entschuldigung sei es im Voraus ausgesprochen, daß es der Hamburger selbst ist, welcher der ehemaligen, seit dem 1. Januar 1876 der Hansestadt einverleibten Vorstadt St. Pauli diesen wenig schmeichelhaften Kosenamen verlieh. Vielleicht wäre es rathsamer und auch etwas schonender gewesen, diesen Stadttheil nur St. Lustig zu nennen. Denn lustig geht es hier überaus zu. So lustig vielleicht, wie nirgends wieder in der Welt, wenigstens nicht in solcher Massenbelustigung. Es sind hier jeden Tag viele Tausende aufgeräumt und übermüthig. Und ein wenig liederlich allerdings so beiher ebenfalls. ... Wer zuerst einmal in dieses vielgestaltige Getriebe hineintaucht, der glaubt, ein Hexensabbath sein angebrochen, eine Fata Morgana spiegele sich in seinem Auge. Denn sinnbethörend ist der Lärm, das Durcheinander tausender Töne, blendend und verwirrend das Chaos von Farben, Bildern und Erscheinungen. Kritik und guter Vorsatz stehen hier entwaffnet. Ehe man sich’s versieht, hat Einen die Fluth erfaßt, und von ihr gehoben, getragen, schwimmt man dahin durch das Meer jauchzender Freude, Narrheit, Sünde und Uebermuth.
Nur eine Stadt wie Hamburg konnte ein solches St. Liederlich allmählich groß ziehen, das wenigstens in seinem hier herrschenden Sprachgewirr, der Fülle fremdartiger Gestalten einem Babel gleicht. Auch hier fühlt man, welch ein gewaltiger Welthandelsplatz Hamburg geworden ist. Das tägliche Treiben und Wogen in St. Liederlich ist ein treffliches Spiegelbild von dem Menschenverkehr, den vor allem das Meer hier jahraus, jahrein gleichsam heranbrandet. Ueber 60.000 kleinere Schiffe gehen alljährlich im Hafen aus und ein; über 7000 mächtige Seeschiffe, darunter 4000 Dampfer, verkehren hier. Für all dieses Menschenmaterial, das zur Bemannung und Bedienung dieser großen Summe Fahrzeuge nothwendig ist, bleibt St. Pauli das Eldorado lockendster Genüsse. Der Seemann giebt St. Liederlich das charakteristische Gepräge. Langsamen Schrittes, mit gefüllter Börse, sonnverbrannt, den golden Ring im Ohr, schwankt der Matrose, Steuermann, Heizer, Koch oder Steward genußfroh lächelnd durch die tobende, drängende Menge. ..."

(A. Trinius, Hamburger Schlendertage, 1893, S. 13ff)

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  "St. Pauli, wie es ist
  Die Bevölkerung St. Paulis setzt sich nicht aus schlechteren Volksgenossen zusammen, als die anderer Stadtteile, und die Geschäftsleute, Angestellten und Arbeiter auf St. Pauli sind nicht weniger ehrenwert, als andere Menschen gleichen Berufes! Die Bevölkerung betrachtet es als ungerecht, wenn von St. Pauli immer noch wie von einem Gefilde des Verbrechens gesprochen wird – denn sicher sind die Bewohner St. Paulis, die wirklichen, nicht krimineller als alle anderen Hamburger! Daß aber in einem Vergnügungsviertel, das zudem noch ein Hafenviertel ist, mancher für kurze Zeit Unterschlupf sucht, der "Dreck am Stecken" hat, das läßt sich nicht verhindern. Daß auf St. Pauli mal ein Fröhlicher einen Schoppen über den Durst trinkt, läßt sich auch nicht verhindern, denn ein Vergnügungsviertel ist kein Nonnenkloster, und überall wo es Vergnügungen gibt, kommt gleiches vor, und wo viele Vergnügungsstätten nebeneinander stehen, wird eben öfter einer "über die Stränge" schlagen. Das neue Gesetz, das den weiteren Ausschank von Branntwein an bereits Angetrunkene untersagt, hat aber auch hier viel gebessert. Jeder Gaststättenbesitzer von Verantwortung hält es aber für seine Pflicht, seine Gäste vor Schaden zu bewahren, jeder der Arbeitsfront angeschlossene Kellner sorgt aus Berufsehre ebenfalls dafür – und nicht zuletzt in den St. Pauli-Betrieben, die als anständige und ehrliche Unternehmen bekannt sind. ..."

(Hamburger Fremdenblatt, 22. Mai 1935)

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